No Tomorrow?

Neulich sah ich eine kurze Zusammenfassung über gewisse Vorgänge auf diesem Planeten; wenn man wirklich einmal ratlos werden will, kann man sich das gut anschauen.

Englisch mit deutschen Untertiteln.

Warum wird nicht wenigstens das Plastik sukzessive abgeschafft, von etwas besserem ersetzt, statt noch extra große Plastikfirmen zu bauen, wie es gerade in den USA der Fall ist.

In dem Artikel steht auch, dass es letztendlich darum geht die “weltweiten Energiemärkte zu beherrschen“. Diese kleine Doku da oben ist zwar von 2012, mir scheint sie aber aktueller denn je. Es wird knapp, richtig knapp mit diversen Rohstoffen, Leute werden unruhig, die Hektik, mit der gewisse, angsteinflößende Dinge voran getrieben werden, lässt definitiv nichts gutes ahnen. Es fühlt sich immer mehr so an, als wäre bei den wirklich einflussreichen Menschen jeder Gedanke aufgegeben worden, dass die Erde noch zu retten sei und daher hat man zur letzten großen, alles übersteigenden Party gerufen.

Bestes Beispiel dafür sind die Elektroautos. Man hätte durchaus die Möglichkeit, Lithium einigermaßen umweltverträglich zu fördern. Dreimal darf man raten, was statt dessen getan wird.

Ist das nun alles Meinungsmache von den Medien oder stimmt das tatsächlich?

Ich weiß immer weniger, wie ich mit solchen Meldungen umgehen soll. Was man allein alles über die Lithiumförderung herauskriegen kann, wenn man mehr als die übliche Zeitung liest, fasziniert und erschreckt mich gleichermaßen. Auf der einen Seite brennt alles in mir danach, die Rohdaten zu bekommen, ich will Satellitenbilder sehen, nachprüfen, wie groß die Flächen in Brasilien, Sibirien, Alaska sind, die gerade abfackeln, möchte schauen, wie groß die Gletscherschmelze tatsächlich ist, usw, usf. Möchte schon lange per Google Earth und Internet jedes einzelne Land der Welt auf Umweltsünden abklopfen, eine Liste davon machen und sie ins Netz stellen, damit man mal einen Überblick bekommen kann. Auf der anderen Seite fürchte ich um mein Seelenheil, sollte ich dem nachgehen. Und selbst wenn wir dann alle genau Bescheid wissen; die Menschen, die wirklich was ändern könnten, lassen sich wahrscheinlich auch weiterhin lieber kaufen und die anderen, also wir, können nur in unserem beschränkten Umfeld angemessen wirken.

Stehen wir wirklich kurz vor einer Kettenreaktion des Schreckens oder ist die Erde so groß, dass sich immer noch alles irgendwie regeln lässt?

Der Amazonas Regenwald zum Beispiel, belegt eine Fläche, die rund zehnmal größer ist, als Deutschland. Zwischen Januar und August wurden dort 72.843 Brände gezählt. Auf welche Fläche bezieht sich das?

Während ich probiere, in meinem lächerlichen 50m² Garten so etwas wie eine intakte Ökosphäre hinzubekommen, darf Jair Bolsonaro, der Präsident von Brasilien, den Regenwald vollkommen ungestraft von der Weltengemeinschaft, zum Abschuss freigeben. Seit seinem Amtsantritt hat sich die Geschwindigkeit der Rodungen verdoppelt und im Juli im Vergleich zum Vorjahr sogar um 278% zugenommen.
Auch hier wieder die Frage, auf welche Fläche bezieht sich das? Ist noch genug Wald da, dass es zum atmen reicht, wenn wir jetzt mit dem Raubbau aufhören? Oder ist dieser Zeitpunkt schon überschritten? Würde es helfen, an anderer Stelle ebensoviele Bäume zu pflanzen, wie in Südamerika verloren gehen oder bringen wir den irdischen Wetterkreislauf damit erst recht durcheinander?

Das ist jetzt alles ein bißchen ungeordnet in diesem Text, Verzeihung bitte, ich habe soviele Fragen und Gedanken, es gibt dermaßen viele Baustellen auf diesem Planeten, eigentlich kein Wunder, dass niemand weiß, wo nun anzufangen wäre und überhaupt.

Ich hab trotzdem keine Lust, dem langsamen Sterben zuzusehen, will nicht in einer leeren Welt leben.  Bis auf den einen Tag im Mai, an dem ich verschiedene Käfer auf den Chip bannen durfte, sah man den ganzen Sommer die ewig gleichen Verdächtigen. An der Vogelstation gibt es nur Meisen, auf den Blumen höchstens drei Bienen am Tag, einmal die Woche eine Hummel, und hin und wieder einen Schmetterling. Dabei bin ich hier umgeben von Wiesen und Wäldern, sogar ein Naturschutzgebiet ist in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Als Kind dachte ich, es wäre unmöglich, dass man Insekten aussterben lassen kann. Heute denke ich, für den Menschen ist nichts unmöglich. Schade, dass das anscheinend nur in eine Richtung gilt.

70er Jahre

Neulich hat mich das Sonnenlicht, welches durch die Jalousie auf die Türe fiel, spontan an eine Tapete aus den 70ern erinnert.


Die 70er. Da zählten wir erst knappe vier Milliarden Menschen und niemand hatte eine Ahnung davon, was ein Smartphone sein soll. Die rasende Entwicklung der letzten vier Jahrzehnte ist eigentlich unvorstellbar. Manchmal frage ich mich, ob unsere Seelen da überhaupt noch hinterher kommen. Oder ob wir uns nachher drüben vollkommen ratlos fragen, was hier eigentlich los war. Wie so Pinguine stehen wir dann im Kreis und wedeln aufgeregt mit unseren Stummelflügelchen. Sind ja auch viel praktischer, zum wischen.

Als ich klein war, sagte Ken Olson, es gäbe keinen Grund, warum jemand einen Computer zu Hause haben wollte und heute besitzen fünf Milliarden Menschen einen Computer für die Hosentasche. Ein Durchschnittsgewicht von 150g pro Smartphone gerechnet, ergibt das nach Adam Riese 750.000 Tonnen  Material, die man dafür verballert hat. Mal ganz abgesehen, von den ungezählten Tonnen Material, die dafür bewegt werden mussten. Und vergessen Sie nicht, die Fabriken, die Maschinen, die man für die Herstellung braucht, das menschliche Potential, das seine Zeit damit verschwendet, die Dinger zusammen zu bauen. – Wieviele Raumschiffe man dafür hätte herstellen können. Schiffe, mit denen man zum Asteroidengürtel fliegen könnte, sich von dort aus mit Rohstoffen eindecken und der Menschheit in ein wirklich neues Zeitalter zu verhelfen.

Klar, Kriege zu beenden und die dritte Umverpackung je Produkt einsparen, würde wohl noch mehr Ressourcen freisetzen, aber wir wollen ja realistisch bleiben; Waffen und Verpackungen darf man den Menschen schließlich auf keinen Fall wegnehmen, wo kämen wir denn da hin. Dennoch, bei dieser ungeheuren Verschwendung tut der Mensch  immer so, als gäbe es nicht genug für alle.

Ich fühle mich genötigt, das in Frage zu stellen und zitiere hier mal: “Seit den 1970er Jahren nimmt der Ressourcenverbrauch stark zu. In den vier Jahrzehnten bis 2010 stieg er von 22 auf 70 Milliarden Tonnen (pro Jahr!). Besonders ausgeprägt zeigt die Kurve seit 2000 nach oben.”  Weiter hier: geplünderte Erde.

Rechnen Sie doch mal aus, wie viele Tonnen Rohmaterial der Mensch inzwischen umgeformt hat. Falls Sie das auf die Schnelle nicht können, sag ich es Ihnen: die schier unglaubliche Zahl von 130 Billionen Tonnen wird als Gewicht unserer “Technosphäre” angegeben. Das “gesamte technologische Gerümpel zu Wasser, Land und in der Luft, mit dem sich Homo sapiens aktuell umgibt.”  Vom Kernkraftwerk bis zum Kugelschreiber ist in dieser Zahl alles enthalten.

Es ist nicht genug für alle da. Hahaha, ich lach mich schlapp. Da war Material für hundertausend Jahre Zivilisation, wenn wir es nur ein kleines bißchen klüger eingesetzt hätten.